Case Study: Mit einer Weltenbummlerin durch Bielefeld - Auf Postzustelltour mit der Citipost!

Früher waren Boten auch die Chronisten der Städte und Dörfer. Sie überbrachten mit den Briefen auch Geschichten. Seitdem radikalen Wandel im späten Mittelalter, um 1530, nicht mehr nur Fürsten, Kaiser und Kirchenleute, sondern alle Menschen Post empfangen durften, ist das der Beruf des Postboten. Heute stehen insbesondere die großen Zusteller wegen widrigen Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung und katastrophalem Leistungsdruck in der Kritik. Einer unserer größten Kunden gehört der Paket -und Brief-Express-Dienst- Branche an. Doch macht so einiges anders.

Punkt acht Uhr stehe ich auf der Matte bei der Citipost OWL Agentur in Bielefeld. Ein wenig wie im Taubenschlag geht es zu, wobei die Rush Hour, wie sie mir später erklären werden, schon längst vorbei ist. Mitarbeiter fahren mit ihren blauen Rädern zu ihrer ersten Ausstellertour, während andere schon von ihrer ersten Tour zurückkommen.

Ich begleite heute Violetta Sarawina, sie ist seit zwei Jahren bei der Citipost und wird als Springer eingesetzt. “Die Springer gehören zu unseren erfahrenen und besonders guten Mitarbeitern, sie haben keinen festen Bezirk und helfen daher in allen Bezirken aus”, erklärt mir Christian Arning, Geschäftsführer der Citipost Niederlassung in Bielefeld. Violetta ist jung, schätzungsweise Mitte 20. Groß und durchtrainiert. Ihre lockigen blonden Haare hat sie streng nach hinten gebunden- zu mindestens so streng, wie man solch lockige Haare nach Hinten binden kann. Als Erstes müssen wir die Post sortieren- nach Straße, Alphabet und Nummer. Violetta hat sich dazu einen leer stehenden Raum ausgesucht. An einem lichtdurchfluteten Schreibtisch sortiert sie so schnell, dass ich nach kürzester Zeit aufhöre, ihr zu helfen. Ich entdecke die Fahrradwerkstatt. Die Wände sind gesäumt mit Felgen, Schläuchen und etwaigen Werkzeug. Ungefähr 20 Fahrräder bilden ein Labyrinth auf dem Boden- hoffentlich ist mein Fahrrad gleich voll funktionstüchtig. “Deins ist Brandneu”, erklärt mir Christian Arning. Und tatsächlich schiebt er mir ein funkelndes, neues, blaues Fahrrad entgegen. Dazu bekomme ich eine Basecap mit Citipost-Bestickung. “Damit sich die Leute nicht wundern, wer jetzt auf einmal in ihrem Vorgarten rumläuft”, sagt Christian Arning lachend. Und los geht es! Das Fahrrad fährt sich erstaunlich leicht. Irgendwie sieht es mit den dicken Reifen und dem großen Korb vorne wesentlich schwerer aus. Trotzdem ist Violetta schon einige Meter vor mir. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Schon nach kürzester Zeit sind wir in unserem heutigen Bezirk- einem von 128 Bezirken in Bielefeld, die die Citipost OWL betreut. Irgendwie ein spannender Gedanke, dass gerade überall verteilt, 108 Mitarbeiter in der blauen Arbeitsbekleidung von uns die Briefe zu gestellt werden. Violetta trägt heute eine blaue Weste und eine dazugehörige Jacke. Sie hätte noch die Auswahl zwischen einem Fleece Pulli und einem kompletten Regenanzug. Alles im tiefdunklen Blau mit Citipost-Logo. Ich merke, dass ich Blau als Firmenfarbe irgendwie schön finde. Zur Post würde ich wohl nicht gehen, da mir gelb einfach nicht steht.

Violetta ist sportlich. Jedes Mal, wenn ich gerade dabei bin mein Fahrrad abzubremsen, schwing sie sich schon vom Drahtesel und läuft oder geht mit federnden Schritten zum Briefkasten. Dabei summt sie immer eine Melodie. Ich merke langsam, dass Violetta eine Frohnatur ist. Während des Sortierens war sie mir gegenüber sehr verhalten- freundlich aber wortkarg. Jetzt, wo wir auf unseren Rädern durch Bielefeld fahren, blüht sich richtig auf. Für jeden Passanten hat sie ein Lächeln und trotz des Zusatzgewichtes der Briefe strahlt sie eine völlige Leichtigkeit in ihrem Tun aus. “So ein Wetter genieße ich einfach”, sagt sie zu mir, während sie ihr Gesicht Richtung Sonne streckt und lächelt. Schnell sind die ersten Straßen abgearbeitet. Bielefeld ist schon eine spannende Stadt. Man sieht anhand der Straßen und Gebäude die Entwicklung der Stadt. Es folgt eine Straße mit Industriebauten auf Mehrfamilienhäuser. Große fast villenartige Häuser stehen neben normalen Klinkerbauten. Ich finde es interessant, die unterschiedlichen Klingelschilder zu inspizieren. Model Eins: der karge, pragmatische Schriftzug “Schmidt” in Arial. Model Zwei: das getöpferte Schild mit dem Schriftzug: “Hier wohnen…” und die dritte Variante, die ich eigentlich am spannendsten finde: Die Überkleberin! Ein Türschild, bei dem der Name des männlichen Mitbewohners offensichtlich mehrmals ausgetauscht wurde. Krönung dabei: Chayenne (ohne jetzt stigmatisierend zu wirken- es gibt bestimmt viele Chayennes, die seit vielen Jahren monogam leben). Aber die Bielefelder Chayenne, hat ihren letzten “Mitbewohner” mit Tesa-Krepp überklebt und handschriftlich ihren neuen Basti draufgeschrieben- leben und leben lassen!


Violetta interessiert das irgendwie wenig. Vielleicht, weil ihr eigenes Leben so spannend ist. Geboren in Litauen, veterinär Studium, Auslandssemester in der Türkei, Au-pair in Belgien und jetzt in Deutschland. Vor Kurzem war sie gerade drei Wochen auf Bali- das erklärt ihre Bräune! Es macht Spaß sich mit ihr zu unterhalten, da sie den Job scheinbar echt genießt. “Ich mag es draußen zu sein und mich zu bewegen”. Wir kommen echt gut voran, immer leerer wird der Korb mit den Briefen. Und umso interessanter sind die unterschiedlichen Begegnungen. Auf dem Weg in eine Einfamilienhaus-Siedlung erzählt mir Violette, wie sie regelmäßig von Passanten gefragt wird, wo jemand wohnt oder die Standardfrage “Haben Sie auch was für mich?”. Und wie es der Zufall so will, treffen wir kurze Zeit später auf einen Mittfünfziger, der uns mit den Worten “Schmidt mit DT” begrüßt. Ich muss lachen und Violetta erklärt ihm, dass sie das noch nicht sagen kann, erst wenn sie in der Straße ist. Sie interessiert sich wirklich absolut nicht für die Briefe oder die Person darum. Das Postgeheimnis wird von ihr auf jeden Fall gewahrt. Aber die Zeit des Chronisten ist damit wohl echt vorbei. Einer der letzten Adressen ist noch mal wirklich amüsant. Direkt hinter einem großen Zentrum der Deutschen Post verteilen wir rund 20 Briefe. Da weiß wohl jemand die Vorteile der Citipost zu nutzen. Kurze Wege zum Ansprechpartner, kein endloses Kundenservicelabyrinth, kurzfristige Reaktionszeiten und ein individuelles Preisgefüge und eine fröhliche Zustellerin wie Violetta. Wir sind fertig. 120.000 bis 140.000 Zustellungen leistet die Citipost OWL täglich in ganz Ostwestfalen-Lippe. Wir haben nur einen Bruchteil gerade absolviert, aber ich merke es langsam in den Beinen. Während Violetta weiter lächelt und summt und schon mit den Vorbereitungen ihrer anschließenden “Abholtour”, bei der sie von Geschäften, Praxen oder Firmen die Post abholt, beginnt.



Ich bin froh, dass ich jetzt Feierabend habe und nicht weiter in die Pedale treten muss. Aber es hat wirklich Spaß gemacht. Violetta ist eine Weltenbummlerin und hat einen Job gefunden, in dem sie ständig auf Achse ist und dauernd neue Dinge entdeckt. Natürlich muss sie auch im Regen raus, aber das ist mit unseren Regenjacken kein Problem. Natürlich hat sie auch größere Bezirke und steilere Straßen, aber dafür hat die Citipost E-Bikes. Und natürlich ist es manchmal stressiger, aber sie kann sich selber einteilen, wann sie startet und kann zwischen 450- Euro- Job und Vollzeit selber entscheiden. Daher ist sie flexibel genug um ihre nächste Reise zu planen- nächstes Ziel Südamerika.



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